Hamburg im Ausnahmezustand: Am 5. und 6. Mai verwandelte sich das Messegelände für rund 70.000 Besucher wieder in das Epizentrum der digitalen Marketing Welt. Wir waren vor Ort, um für euch und unsere Kunden die wichtigsten Impulse, Tech-Trends und Strategien mitzunehmen.
Die wichtigsten Learnings der OMR 2026 auf einen Blick:
Für uns ganz klar das inhaltliche Highlight der OMR 2026: Die Keynote von Philipp „Pip“ Klöckner. Wie gewohnt lieferte er und machte direkt zu Beginn klar, dass die KI-Entwicklung nicht stagniert, sondern massiv an Fahrt aufnimmt. KI entwickelt sich vom simplen Chatbot hin zu autonomen „Agenten“ (Agentic AI), die bald stundenlang selbständig komplette Workflows abarbeiten.
Hier sind Pips wichtigste Take-aways:
Die Erstellungskosten für Texte tendieren gegen Null. Inzwischen gibt es im Netz mehr KI-Texte als menschliche Inhalte. Klöckners Prognose: Echter, von Menschen kreierter Content wird bald eine Art „Bio-Siegel“ brauchen, um Vertrauen zu schaffen und aus der Masse herauszustechen.
Während ChatGPT den privaten Consumer-Markt dominiert, wandern die großen B2B-Budgets aktuell massiv zu Anthropic (Claude). Wer KI einmal tief in seine Unternehmensprozesse (z. B. ins Coding) einbindet, wechselt so schnell nicht mehr.
Google besitzt den ultimativen Burggraben aus eigener Hardware (TPUs), Datenmasse und gigantischer Distribution. Durch die neuen AI Overviews behält Google die Nutzer direkt auf der eigenen Plattform – für den „Rest des Webs“ bedeutet das schmerzhafte Traffic-Einbrüche.
Während die USA hunderte Milliarden in Rechenzentren pumpen, kopieren und destillieren chinesische Anbieter die US-Modelle. Sie bieten ähnliche Leistung für einen Bruchteil der Kosten an und werden so zum Discount-Lieferanten.
Ein dringender Appell an alle Führungskräfte: KI vernichtet nicht primär Einstiegsjobs. Im Gegenteil: Wer jetzt keine jungen Talente mehr einstellt, verliert den Anschluss. Es sind die Juniors, die KI-nativ arbeiten und dieses Know-how als Multiplikatoren in die Unternehmen bringen.
Scott Galloway machte deutlich, dass KI nicht automatisch jede Infrastrukturwette rechtfertigt. Seine These zur Data-Center-Bubble war ein Gegenpol zum aktuellen Investitionsrausch. Für Marketingteams steckt darin eine praktische Botschaft: KI-Budgets müssen an konkreten Prozessen hängen, nicht an der Angst, einen Trend zu verpassen. Sein vielleicht wichtigster Appell an die rein digital denkende Marketing-Bubble: Bei all dem Tech-Fokus bleibt die analoge Welt entscheidend – echte Beziehungen und das Erleben in der realen Welt sind durch nichts zu ersetzen.
Die Halle bebte, doch auf der Bühne herrschte Realismus statt Hype. Philipp Westermeyer machte direkt die Dimensionen klar: Während Big Tech 800 Milliarden Dollar in die KI-Infrastruktur pumpt, läuft ein gegenteiliger Trend ins Analoge. Der Paradox-Trend 2026: In einer digital gesättigten Welt boomen physische Erlebnisse wie Themenparks oder – kein Witz – Hochzeiten als organische Reichweiten-Garanten.
Roland Eisenbrand lieferte dazu die operativen Überlebensstrategien für das digitale Ökosystem:
Petra Scharner-Wolff von der Otto Group und Philipp Justus von Google griffen auf der HBO Max Stage eines der spannendsten Commerce-Themen der OMR 2026 auf: Agentic Commerce. Shops müssen nicht mehr nur Menschen überzeugen. Sie müssen auch von KI-Systemen verstanden, bewertet und ausgewählt werden. Das betrifft Produktdaten, Verfügbarkeit, Preise, Lieferoptionen, Bewertungen, Rückgaberegeln und Markenvertrauen.
Für Commerce-Teams heißt das: Der schönste Shop lässt Potenzial liegen, wenn die Datenbasis nicht sauber ist. Agentic Commerce belohnt Klarheit, Struktur und Verlässlichkeit. Wer maschinenlesbar besser aufgestellt ist, bekommt einen Vorteil an genau der Stelle, an der künftig Kaufentscheidungen vorbereitet werden.
Zwischen vollen Bühnen, Expo-Trubel und der nächsten viel zu langen Warteschlange gab es auf der OMR 2026 auch diese Momente, in denen man merkt: Das hier ist nicht nur Zukunftsmusik. Das landet direkt im Arbeitsalltag.
Für uns galt das besonders bei den Sessions rund um Search, GEO und AI Visibility. Also genau dort, wo aus dem großen KI-Thema konkrete Sichtbarkeitsfragen werden.
Dieser Satz blieb hängen. Wendi Sturgis, SVP Sales EMEA bei Yext, machte deutlich: Nutzerinnen und Nutzer sind in der KI-Suche längst angekommen. Viele Marken arbeiten aber noch mit Sichtbarkeitslogiken, die aus den klassischen Rankings stammen. In einer Welt mit ChatGPT, Gemini und Co. beginnt Sichtbarkeit nicht nur mit Rankings, sondern auch damit, in KI-generierten Antworten zitiert zu werden.
Besonders relevant wird das bei lokalen Suchanfragen. KI-Systeme berücksichtigen Standort, Kontext und verfügbare Informationen über Unternehmen. Für Restaurants, Retail, Healthcare, Versicherungen, Autohäuser oder Dienstleister zählt damit nicht nur die eigene Website. Es zählt das gesamte Informationsbild im Netz: Standorte, Öffnungszeiten, Leistungen, Bewertungen, lokale Seiten, Listings und Drittquellen.
Die unbequeme Wahrheit: Eine Marke kann stark wirken und trotzdem von KI-Systemen falsch, unvollständig oder gar nicht ausgespielt werden.
Vor allem dieser Dreiklang ist im Gedächtnis geblieben:
Monitor, Structure, Distribute.
Also: KI-Sichtbarkeit messen. Daten maschinenlesbar strukturieren. Und diese Informationen konsistent über Website, lokale Profile, Listings, Reviews und relevante Drittquellen verteilen. Das klingt zunächst weniger spektakulär als die nächste große KI-Demo. Aber genau hier liegt der operative Hebel.
Yexts eigene Forschung zeigt, wie stark Datenkonsistenz auch klassische lokale Sichtbarkeit beeinflusst: In einer Analyse von 21,6 Millionen lokalen Suchergebnissen rankten aktiv gemanagte Unternehmensdaten im Schnitt 2,71 Positionen besser; in besonders kompetitiven Märkten lag der Vorteil bei 6,20 Positionen.
Das ist der Punkt, an dem SEO und GEO zusammenlaufen. Saubere Daten helfen Google, Menschen und KI-Systemen. Sie sind kein Hygiene-Thema im Backend. Sie werden zur Sichtbarkeitsinfrastruktur.
GEO lässt sich nicht einfach als „SEO für ChatGPT“ abhaken.
Die Sessions von Yext, SIGNAL IDUNA und PEEC AI zeigten, dass generative Systeme unterschiedlich arbeiten. Eine Marke kann in einem Modell regelmäßig auftauchen und in einem anderen kaum stattfinden. Quellenlogiken, Branchenkontext, Reviews, Drittseiten, Website-Inhalte und Plattformsignale werden nicht überall gleich gewichtet.
Yext hat dafür 17,2 Millionen KI-Zitationen aus vier großen Modellen analysiert. Das Ergebnis: Citation-Verhalten unterscheidet sich deutlich je nach Modell, Branche und Quellentyp.
Daraus folgt nicht, dass SEO ersetzt wird. Es folgt, dass SEO und GEO in einem synergetischen Verhältnis stehen. SEO liefert die technische, strukturelle und inhaltliche Grundlage. GEO erweitert diese Grundlage um Modellabdeckung, Zitierfähigkeit, Quellenqualität und Kontextualität.
Malte Landwehr von PEEC AI brachte die taktische Ebene rein. Seine OMR-Session drehte sich um die Frage, welche Content-Formate und Seitenstrukturen in ChatGPT, Perplexity, Gemini und Google AI Overviews tatsächlich zitiert werden.
Es bleibt vor allem hängen: Es gibt nicht die eine Maßnahme für alle LLMs und alle Branchen.
Was helfen kann und aktuell funktioniert: Vergleichsinhalte, strukturierte Seiten, Reviews und Ratings, aktuelle Jahresbezüge, relevante Drittquellen, Listicles, Advertorials und das gezielte Schließen von Source Gaps.
Britta Behrens zeigte auf der Yellow Stage, warum LinkedIn für Sichtbarkeit in KI-Systemen relevanter wird. Semrush hat 89.000 LinkedIn-URLs und 325.000 Prompts über ChatGPT Search, Google AI Mode und Perplexity analysiert. LinkedIn war in diesem Datensatz die zweitmeistzitierte Domain und erschien im Schnitt in 11 Prozent der KI-Antworten.
Das heißt aber nicht: mehr posten, mehr automatisieren, mehr KI-Text in den Feed kippen.
Es heißt: echte Expertise wird sichtbarer.
Thought Leadership, klare Positionen und fachlich hilfreiche Inhalte werden wichtiger, weil sie nicht nur Menschen erreichen, sondern auch Teil des digitalen Quellenraums werden.
Aber was passiert eigentlich auf der anderen Seite – in den Tools und Plattformen, die Marketer täglich nutzen? Am zweiten Tag zog es uns auf den Yellow Stage, wo Marvin Müller und Felix Rahlmeyer von OMR Reviews den „State of SaaS“ präsentierten – und mit einer Folie die halbe Halle aufweckten. Die Zahlen der Software-Plattform OMR Reviews waren eindeutig: KI-Agenten verzeichnen +108% Wachstum im Jahresvergleich, KI-Sales Assistants sogar +162%. Auf der anderen Seite: KI-Bildgenerierung -83%, KI-Textgenerierung -72%.
Der Hype-Zyklus läuft durch.
Die Botschaft dahinter war so simpel wie radikal: Build with AI, not against it. Replace work, not just software. Es geht nicht mehr darum, ein weiteres Tool in den Stack zu integrieren – es geht darum, zu hinterfragen, welche Arbeit überhaupt noch von Menschen erledigt werden muss. Für uns als digitalagenten eine Frage, mit der wir täglich konfrontiert sind – und die wir lieber aktiv beantworten als passiv erleben wollen.
OMR wäre nicht OMR, wenn zwischen KI-Keynotes, Search-Panels und Masterclasses nicht plötzlich Tom Brady, Heidi Klum, Rezo oder Mark Forster auftauchen würden. Genau diese Mischung macht das Festival aus: Fachmesse, Klassentreffen, Popkultur-Moment und Networking-Maschine in einem.
Diese Mischung unterstreicht den Festival-Charakter der OMR und schafft ein Umfeld, das über eine reine Fachmesse hinausgeht und Raum für informellen Austausch und Networking bietet.
Die OMR 2026 hat verdeutlicht, dass die Phase des reinen Experimentierens mit neuen Technologien vorbei ist. Die Veranstaltung bot eine fundierte Mischung aus zukunftsweisenden technologischen Ansätzen und operativ umsetzbaren Business-Strategien. Für digitalagenten steht fest: Die digitale Transformation beschleunigt sich, erfordert aber mehr denn je eine klare strategische Substanz und operative Exzellenz.
Um in der Marktdynamik des kommenden Jahres erfolgreich zu bestehen, lassen sich aus den Hamburger Tagen fünf zentrale Kernpunkte ableiten:
Die OMR 2026 war für uns ein wertvoller Impulsgeber. Die gewonnenen Insights fließen direkt in die strategische Beratung und die operative Umsetzung der Kundenprojekte ein.
Jetzt geht es an die Umsetzung.
Online Marketing Agentur Berlin » Blog: News zu SEO, SEA & Social Media Optimierung aus Berlin » OMR 2026 Recap: KI, Search & neue Geschäftsmodelle – Highlights aus Hamburg
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